Industrie - Stadt - Kultur

Ein neues Industrie Stadt Museum für Delmenhorst

Die Museen „Nordwolle Delmenhorst – Nordwestdeutsches Museum für IndustrieKultur“ sollen nach 20-jährigem Bestehen grundlegend überarbeitet und neu ausgerichtet werden. beier+wellach projekte berät bei der Projektentwicklung, erarbeitet gemeinsam mit dem Museum einen Masterplan für die Neukonzeption, begleitet aktiv die Drittmitteleinwerbung und übernimmt die Gestaltung und Planung für den ersten Bauabschnitt.

Auf dem Gelände der ehemaligen Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei („Nordwolle“) – einem der größten Industriedenkmale Europas – thematisiert das Museum in seinen zwei Häusern, dem Fabrikmuseum in einer originalen Spediere der ursprünglichen Fabrik und dem Stadtmuseum in der alten Lichtstation der Fabrik, auf ca. 3.000 qm die Delmenhorster Industrie- und Stadtgeschichte.

Die Neukonzeption führt die zwei Erzählfäden der bestehenden Ausstellungen zu einer dramaturgisch und kausal überzeugenden Narration zusammen. Sie erweitert das Themenspektrum des Museums und geht den Übertragungen und Beeinflussungen – den Transmissionen – zwischen Industrie, Stadt und Kultur und ihrer Gestaltungskraft nach. Mit der neuen Erzählung werden die Häuser auch architektonisch zusammengeführt. Indem ein vorhandener, aber nicht ausgebauter Teil des originalen Sheds zum Ausstellungsraum ertüchtigt wird, können die Besucher fortan einem Erzählstrang folgen, der aufeinander aufbaut und Industrie, Stadt und Kultur zueinander in Beziehung setzt.

Das Leitmotiv „Transmission“ bestimmt auch den raumbildnerischen Zugriff. Stilisierte Transmissionsriemen mit Antriebsrädern in einer modernen Übersetzung sind konstituierender Ausgangspunkt für das Raumbild. Sie bringen Bewegung ins Haus, leiten die Besucher, charakterisieren Themenbereiche oder werden im wahrsten Sinne des Wortes zum Antrieb für Hands-On-Stationen im Rundgang. Sie dienen der Übertragung der konzeptionellen Leitidee – Sichtbarmachung der Verbindung zwischen Industrie, Stadtentwicklung und Kultur – in den Ausstellungsraum und machen das Leitbild für die Besucher erfahrbar.

Die Neukonzeption wird in mehreren eigenständigen Bauabschnitten umgesetzt.

1. Bauabschnitt
Vom Vlies zum Garn - Produktionsablauf auf der Nordwolle

Im ersten Bauabschnitt "Vom Vlies zum Garn - Produktionsablauf auf der Nordwolle" wird der inhaltliche Fokus auf die Kernthemen der Vermittlung gelegt. Die Besucher sollen interaktiv verstehen, was, wie und unter welchen Arbeitsbedingungen die Nordwolle produziert hat. Zu Beginn des Rundgangs trifft man hier auf eine Auftaktinszenierung, die einen künstlerischen und zugleich spielerischen Zugang zum Thema ermöglicht. Die Inszenierung soll symbolisch den Ursprung des Endproduktes (Garn) darstellen. Hierfür werden die Handelswege der Rohwolle künstlerisch aufgearbeitet. Weiterhin befindet sich in diesem Ausstellungsteil eine großformatige Panoramaprojektion, die an dieser Stelle die Fabrikhalle in den 1920er Jahren simuliert. Im Zuge der Darstellung des Produktionsablaufs werden die wesentlichen Schritte in der Verarbeitung von Rohwolle – über Sortieren, Waschen, Kämmen und Spinnen – bis hin zum Garn veranschaulicht. Die Funktion der ausgestellten Maschinen wird nachvollziehbar gemacht. Anhand der einzelnen Schritte werden außerdem die Arbeitsbedingungen in der Fabrik verdeutlicht. Didaktisch unterstützt wird die Darstellung der Abläufe durch interaktive Exponate und niederschwellige Grafiken. Zur Einbringung der neuen Ausstellung wird das denkmalgeschützte Shed denkmalgerecht vorbereitet und mit Originalmaschinen bestückt. 
 

Kategorie Dauerausstellung

Auftraggeber Stadt Delmenhorst

Zeitraum Leistungserbringung: Juni 2015 – 2018, Oktober 2020 – Juni 2022

Eröffnung: 09.09.2022


Ort/Größe Nordwestdeutsches Museum für IndustrieKultur, Delmenhorst, ca. 3.000 qm

Leistungen Projektentwicklung, Masterplan, Neukonzeption, dramaturgisch-raumbildnerische Gestaltung, Redaktion Zeitzeugen und Hands-On, Grafik-, Licht- und Medienkonzept, Ausstellungsplanung, Produktionsüberwachung