Geschichte zum Anfassen

Mehr als 20 Jahre ist Deutschland wiedervereinigt. Eine ganze Generation ist seitdem herangewachsen, für die die Teilung Deutschlands nur noch Geschichte ist. Wie kann man jungen Menschen heute das Leben in der SED-Diktatur verständlich machen?

Im Auftrag der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat beier+wellach projekte ein Mobiles Learning Center für den Einsatz an Schulen entwickelt. Ein ehemaliger Gefangenentransporter des DDR-Staatssicherheitsdienstes wurde so umgebaut, dass er für Projekttage und Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Für Schulklassen, die keine Zeit für den Besuch einer Gedenkstätte haben, ist das „rollende Gefängnis“ eine ideale Alternative, um sich in kurzer Zeit einen Eindruck vom System der DDR zu verschaffen.

Das Mobile Learning Center kann bei der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen angefordert werden. Ansprechpartner ist die Pädagogische Arbeitsstelle der Gedenkstätte, die das Projekt maßgeblich mitentwickelt hat. Die Durchführung der Seminare und Projekttage wird von Lehrkräften der Gedenkstätte betreut.

beier+wellach projekte entwickelte in enger Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte das didaktische Vermittlungskonzept für das Mobile Learning Center. Außerdem zeichnete sich beier+wellach projekte für die dramaturgische und raumbildnerische Gestaltung verantwortlich und übernahm die Projektsteuerung. Die Anwendungen für die Tablet-PCs wurden gemeinsam mit der Agentur 3pc umgesetzt.

Die Module des Mobilen Learning Centers

Das Fahrzeug – ein Barkas B 1000 mit Zweitaktmotor – ist eine originalgetreue Rekonstruktion eines DDR-Gefangenentransporters. Mit seinen fünf kleinen Zellen, der Gittertür und der Sitzbank für das Wachpersonal lässt es erahnen, wie der Staatssicherheitsdienst mit Andersdenkenden umging. Über Hörstationen, die an das Fahrzeug angebracht wurden, können die Schüler Zeitzeugen hören, die über ihre Verhaftung, den Transport, die Haftbedingungen in Stasi-Gefängnissen und die Verhörmethoden berichten. Auf einem Monitor können sie eine Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen nachverfolgen.

Das Fahrzeug ist außerdem mit einer mobilen Ausstellung ausgestattet, die im Eingangsbereich von Schulen aufgestellt werden kann. Sie trägt den Titel „Leben nach Diktat – Erwachsenwerden in der DDR“ und widmet sich speziell dem Leben von Jugendlichen in der SED-Diktatur. In sechs Kapiteln werden die Themen Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Wehrdienst, Studium und Freizeit abgehandelt. Auf einem Monitor berichten Zeitzeugen, wie es war, im Sozialismus groß zu werden. Sie schildern dabei vor allem jene Wendepunkte ihres Lebens, in denen sie sich zwischen Anpassung und Verweigerung entscheiden mussten.

Für den Einsatz bei Seminaren und Projekttagen wurde zudem modernes weiterführendes Unterrichtsmaterial entwickelt: Auf Tablet-PCs finden die Schüler Filmausschnitte, Originaltöne, Fotos, Dokumente und Zeitzeugenberichte, durch die sie auf einem interaktiven Quellenweg selbständig navigieren können. Auf dem Touchscreen im Din A4-Format können sie sich durch die DDR-Geschichte „tasten“ – so wie es die meisten von ihnen durch ihre Smartphones gewohnt sind. Statt vorgegebene Lerninhalte passiv aufzunehmen, sollen sich die Schüler in Gruppenarbeit ihr Wissen anhand einer vorgegebenen Fragestellung selbst erarbeiten. Denn das „forschende Lernen“ ist nach den Erkenntnissen moderner Didaktik die nachhaltigste Form der Wissensvermittlung.
 

KategorieMobiles Learning Center (Schulprojekt)

Auftraggeber Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Berlin

Partner3pc, Berlin

Zeitraum Leistungserbringung: 2010
Fertigstellung: 2010
 
Ort Schulen, Berlin und Brandenburg

LeistungenDidaktisches Vermittlungskonzept, dramaturgische und raumbildnerische Gestaltung, Grafik- und Medienkonzept, Konzeption iPad-Anwendung, Text-, Bild- und Medienredaktion, Ausstellungsplanung
Drittmitteleinwerbung, Ausarbeitung Förderantrag

Produktion id3d-berlin

Buchung der AusstellungGedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen / Pädagogische Arbeitsstelle